Normalerweise hilft bei Fragen dieser Art ein Blick in die einschlägige Literatur. Dort wird die Werderstraße jedoch mit keinem Wort erwähnt. Um dennoch verstehen zu können, wie die Werderstraße zu ihrem Namen kam, muss man die Geschichte des dortigen Wohnviertels näher betrachten.
Ende des 19. Jahrhunderts war das Gelände rund um die Werderstraße noch vollkommen unbebaut. Vorhanden war lediglich die Bahnstrecke Augsburg - München im Norden und die zwischen 1882 und 1884 erbaute Infanterie-Kaserne im Süden, die ab 1885 auch den Namen „Prinz-Karl-Kaserne“ trug.
Um die Jahrhundertwende legte die Stadt fest, dass auf der bisher unbebauten Fläche zwischen Bahnstrecke und Infanterie-Kaserne ein neues Wohnviertel entstehen sollte. Erschlossen wurde das Wohnviertel durch die Verlängerung der Bismarckstraße mit Neubau der Bismarckbrücke über die Bahnstrecke im Jahre 1898. Die ersten Gebäude wurden, meist mit Gestaltungselementen des Jugendstils, dann ab 1900 errichtet.
Bei der Namensgebung der neuen Straßen suchten die Stadtplaner einen Bezug zur nahe gelegenen Infanterie-Kaserne und wählten daher die Namen von bedeutenden Generälen der Infanterie aus. So erinnert die Von-der-Tann-Straße an den bayerischen General Ludwig von der Tann (1815-1881) und die Hartmannstraße dürfte ihren Namen dem bayerischen General Jakob von Hartmann (1795-1873) zu verdanken haben. Bei der Werderstraße dagegen kann man den Namenspaten nicht so genau ermitteln, da aus dem ehemaligen preußischen Adelsgeschlecht der Werder mehrere Generäle der Infanterie hervorgegangen sind. Höchstwahrscheinlich bezog man sich auf August von Werder (1808-1887) oder Hans Wilhelm von Werder (1834-1897). Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass man nur allgemein an das Adelsgeschlecht erinnern wollte.
Somit sollte die Frage umfassend beantwortet sein. Wenn euch das Thema gefallen hat, schreibt einfach einen kurzen Kommentar. Gerne könnt ihr mir auch weitere Straßennamen nennen, die hier im meinem Blog näher betrachtet werden sollen.
Euer Augsburger Spurensucher
Quellen
Wir beginnen unsere Spurensuche in der Gögginger Straße. Dort befindet sich an der Einmündung zur Calmbergstraße ein älterer Blankziegelbau. Das Gebäude wirkt insgesamt etwas heruntergekommen, einige Fenster sind zudem verschlossen oder vergitterten. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handelt sich um eine verlassenes Gefängnis.
Tatsächlich jedoch ist dies der Rest der ehemaligen Artillerie-Kaserne, die seit den 1930er Jahren auch den Namen „Hindenburg-Kaserne“ trug. Sie wurde Ende der 1860er Jahre erbaut und bereits wenige Jahre später erweitert. Die Anlage bestand aus einem Längsbau, der sich von der Calmbergstraße bis zur Schertlinstraße erstreckte, sowie aus zwei senkrecht dazu angeordneten Gebäudeflügeln. In ihr war ursprünglich das 4. Feldartillerie-Regiment der königlich-bayerischen Armee stationiert. Zur Zeit des NS-Regimes diente die Kaserne dann der Wehrmacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von der Stadt als Verwaltungsgebäude und Notunterkunft genutzt. Anfang der 1990er Jahre schließlich erfolgte der Abbruch des Längsbaus und des Südflügels, um Platz für den Neubau des Polizeipräsidiums zu erhalten. Vom Abbruch verschont blieb nur der Nordflügel. Seit 2017 steht dieser leer und wartet auf eine neue Nutzung.
Unserer nächstes Relikt ist deutlich kleiner und wird dadurch schnell übersehen. Es befindet sich etwas weiter südlich ebenfalls an der Gögginger Straße. Ich würde mich freuen wenn Ihr meinen Beitrag kommentiert und mir zu unserer nächsten Spur folgt.
Euer Augsburger Spurensucher
Quellen
- Stadtlexikon Augsburg
- Augsburg - Wandlungen einer Stadt
- Bayerische Denkmalliste
- Augsburger Allgemeine